Mittwoch 17. Januar 2018

27. Februar 2012: AUTOFASTEN - LÄRMFASTEN

 

Heuer haben wir uns als Schwerpunkthema "Verkehrslärm" gewählt. Ein vielschichtiges und spannendes - oft auch leidvolles - Thema, wie die lebhafte Podiumsdiskussion im Franziskanerkloster zeigte.

 

v.l.: K. Fallast, W. Mitteregger, H. Opis-Pieber, A. Kainz, Ch. Lammer

Weihbischof Lackner (Foto G. Neuhold / Sonntagsblatt)

 

Weitere Fotos auf der Homepage des Arbeitskreises Nachhaltigkeit.

 

Einzelne Beiträge der Referenten zum Download:

- DI Dr. Kurt Fallast

- Ing. Christian Lammer

- Mag. Waltraud Mitteregger

   

 

AUTOFASTEN – LÄRMFASTEN

27. Februar 2012

Der Abend begann mit einem Geschenk: Die Veranstalterinnen von „Autofasten“ luden zum „Stille verkosten“ in das Oratorium der Franziskaner ein. Innerhalb einer Minute gelang es P. Willibald Hopfgartner ofm mit seiner Einführung in Zusammenklang mit dem ganz besonderen Raum – eine Art „Arche Noah“ aus Holzlatten – die Teilnehmenden in eine dichte Stille zu führen. „War das wirklich eine ganze Viertelstunde? Es ist mir viel zu kurz vorgekommen!“ stellten viele bedauernd fest.

 

Entspannt ging es dann zur Podiumsdiskussion „Autofasten – Lärmfasten“. Die Initiatorin von Autofasten, Hemma Opis-Pieber begrüßte und stellte die aktuelle Zahl an steirischen AutofasterInnen vor: 6470 Personen haben sich bislang registrieren lassen! Die Ehrengäste, Weihbischof Lackner und Bürgermeister-Stellvertreterin Lisa Rücker eröffneten den Abend mit ihren Grußworten. Weihbischof Lackner erinnerte an die Stelle aus 1 Kön 19, nachdem Gott für Elija „nicht im Donner, nicht in Sturm und Erdbeben, sondern im sanften, leisen Säuseln des Windes anzutreffen war“. Vizebürgermeisterin Rücker meinte bezogen auf Autofasten und andere Initiativen dankbar:“ Am schönsten ist es, wenn Menschen Verantwortung übernehmen – für die Umwelt und Gesellschaft, für ihre Mitmenschen und sich selbst.“

 

Am Podium referierten hochkarätige Experten: Dr. Andrea Kainz (Umweltmedizinerin), Dr. Kurt Fallast (Verkehrsplaner), Ing. Christian Lammer (Lärm-Sachverständiger) und Pfr. Mag.a Waltraud Mitteregger (Sprecherin „Stopp Transitschneise Ennstal“).

 

Christian Lammer gab eine Einführung in die technische Analyse von Lärm und wies auf die Tatsache hin, dass das menschliche Ohr eine enorm große Bandbreite an Geräuschen verarbeiten kann (von 20 Hertz bis 20.000 Hertz). Was unterscheidet aber ein Geräusch von Lärm? Pikanter Weise das subjektive Empfinden! Enttäuschen musste er die Hoffnung, dass „Autofasten“ automatisch auch „Lärmfasten“ bedeute. „Durch eine Halbierung des Verkehrs nehmen wir subjektiv nur 3 Dezibel weniger Lärm wahr – eine leider zu vernachlässigende Größe“, so Lammer.

Kurt Fallast meinte dazu: “Wenn ich am Sonntag zu meiner Tante im Auto Kaffee trinken fahre, ist das natürlich in Ordnung. Wenn ich dann bei ihr auf der Terrasse sitze, stört mich jeder, der vorbeifährt.“ Dazu passt noch eine eigentlich verwunderliche Information: In Österreich gibt es keine vom Gesetz festgelegten Grenzwerte (Ausnahme: Schiene)! Zwar gibt es Richtwerte, Schwellenwerte und Ö-Normen – aber weitestgehend ohne gesetzliche Verbindlichkeit.

Die vorhandenen Grenzwerte sind den Erkenntnissen der Medizin zu danken. Andrea Kainz schilderte eindrücklich die Auswirkungen von (Dauer-) Lärm auf den menschlichen Organismus. Von Schlafstörungen über erhöhten Blutdruck bis zu Herzinfarkt reichen dabei die Folgen. „Im Grunde steht der Körper – auch im Schlaf – permanent unter Alarmbereitschaft, das erhöht die Stresshormone“, so die Umweltmedizinerin.

Kopfschütteln und Erstaunen rief die Tatsache hervor, dass es in Österreich kein Gesetz gegen Lärm gibt – obwohl Lärm bei der Frage nach der Umweltbelastung von 80% der Österreicher/innen an erster Stelle genannt wird! Insgesamt 11 Regelungen mit unterschiedlichen Zuständigkeiten beziehen sich auf Lärm. So kann es z.B. in Graz zur absurden Situation kommen, dass am Samstag von 12.00 -15.00 Uhr lärmende Arbeiten (Rasenmähen, etc.) verboten sind, Baustellenlärm aber von 6.00 bis 22.00 Uhr gestattet ist …

Eine von Lärm wirklich geplagte, Pfarrerin Waltraud Mitteregger, schilderte das Lebensgefühl direkt an der Ennstalbundesstraße: “Wenn ich im Wohnzimmer sitze und lese, habe ich das Gefühl, der LKW fährt über mein Buch!“ Sie vermisst vor allem der Realität entsprechende Lärmmessungen - besonders in der Nacht, und fordert strukturelle Änderungen, wie zum Beispiel die Verlagerung von Transporten auf die Schiene.

 

Das Publikum nahm engagiert an der Diskussion teil, viele störende und belastende Lärmquellen wurden genannt: Laubsauger, Baustellen, Flugzeug- und LKW-Verkehr und vor allem auch Motorradfahrer, die das Wochenende zur „Kurvenschinderei“ auf Bergstraßen nutzen und den Anwohnern jede Lebensqualität rauben.

Dazu passte das Plädoyer von Kurt Fallast auf die Frage, was wir selbst Positives beitragen können: „Untertourig fahren, Kavalierstarte und unnötiges Hupen vermeiden, das Autoradio leise oder gar nicht verwenden, und – vor allem – beim Autokauf auf geräuscharme Reifen achten“!

Was können wir der „Lärmverschmutzung“ (Mitteregger) noch entgegensetzen? Das Projekt „Lärm macht krank“ sensibilisiert bereits die (Schul)kinder für dieses Thema – in Zeiten von MP3-Playern und Ohrstöpseln aller Art eine Herausforderung! Selbst bewusst Orte der Stille aufsuchen (eine Kostbarkeit und schwer zu finden), sich gegen die Dauerberieselung in Kaffeehäusern und Geschäften wehren, das eigene Leben entlärmen und entschleunigen – und die Kirchen als Orte der Stille pflegen und genießen!

 

Hemma Opis-Pieber, 28.2.2012

 

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Verein zur Förderung
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