Es sind Begegnungen wie diese, die das Salz in der Suppe des Radfahrens ausmachen. In Abwandlung eines Zitats von Martin Buber könnte man sogar meinen, alles wirkliche Radfahren sei Begegnung. Manchmal sind derartige Begegnungen auf kleine Gesten reduziert sind, wie ein einander Zunicken, um die Vorfahrt zu klären, ein Zeichen für „Du zuerst“ oder das Heben einer Hand als Dankeschön. Auch ein dezentes Lächeln kann Situationen positiv verändern, ganz im Sinne einer friedlichen Koexistenz aller Verkehrsteilnehmer:innen auf unseren Straßen, Rad- und Feldwegen.
Manche Begegnungen sind flüchtig, können jedoch eine gewisse Wirkung entfalten. So geschehen vor wenigen Wochen am Hauptbahnhof Linz. Wir sind am Weg nach Neukirchen bei Lambach, um von dort den Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse der „Haager Lies“ zu befahren. Auf dem Bahnsteig kommt eine ärmlich gekleidete, verloren wirkende Frau auf uns zu. Sie hält uns einen Zettel entgegen, auf dem in kaum lesbarer Handschrift etwas steht, das wir als „Budapest-Keleti“ identifizieren können. Da sie Deutsch und Englisch nicht zu verstehen scheint, signalisieren wir ihr mit Händen und Füßen, dass sie den Bahnsteig wechseln muss. Als sie gerade dabei ist, diese Information zu verarbeiten, droht unser Zug bereits abzufahren und wir müssen uns beeilen einzusteigen. Schon einige Schritte von ihr entfernt hören wir, wie sie uns ein „God bless you!“ nachruft.
Unter den ungeschriebenen 10 Geboten für Radfahrer:innen nimmt „Unterstütze andere Radfahrer:innen bei Pannen und Defekten“ einen hohen Stellenwert ein. Dies durfte ich schon in unterschiedlichsten Situationen erleben, sowohl als Hilfesuchender als auch als Hilfegebender. Ein von freundlichen Mitmenschen angebotener Reserve-Fahrradschlauch kann einen beispielsweise in abgelegenen Wäldern aus manch misslicher Situation befreien. (Sollte man natürlich immer selbst dabeihaben, hat man aber halt nicht immer …).
Letzten Sommer bei der Umrundung des Hallstädter Sees reißt die Kette meines Fahrrads. Gerissene Fahrradketten nieten – das übersteigt meine handwerklichen Fähigkeiten, dafür brauche ich eine Fachwerkstätte, welche in diesem Fall im nächsten Ort vorzufinden ist. Glücklicherweise ist das vor uns liegende Wegstück flach beziehungsweise leicht abfallend und so kann ein mir zu Hilfe eilender Radl-Kollege mir seine Schulter anbieten, um mich ein Stück des Weges zu ziehen. Eine wahre Heldentat! Immer wieder passiert es mir auch, dass ich von vorbeiradelnden Menschen gefragt werde, ob ich Hilfe benötige, obwohl ich nur kurz absteige, um Luft aufzupumpen (oder zu schnappen) oder etwas aus meiner Satteltasche zu holen. Das freut mich, gefühlt macht es mich zum Teil einer internationalen Community. „Bei dir
alles gut?“ heißt es dann manchmal. Ja, alles gut. Ich liebe Rad fahren und freue mich auf weitere schöne Begegnungen.